CD SINGLE - 2010 - DIRTER/PIPKIN - UK


WHERE THE LONG SHADOWS FALL

WHERE THE LONG SHADOWS FALL

 

 

 

REVIEWS
BRAINWASHED
Sunday, 13 June 2010 00:00 John Kealy
Dedicated to David Tibet and made in celebration of Current 93’s 25th anniversary, this single captures the spectral heart of one of Current 93’s defining pieces. Here Andrew Liles reconstructs what was originally the opening volley of Tibet’s Inmost Light trilogy. “Where the Long Shadows Fall” was one of the key moments in Current 93's career. The combination of Tibet's lyrics, some achingly gorgeous music and, most significantly, that haunting loop of the last castrato, Alessandro Moreschi, made for one of the finest 20 minutes of music committed to tape. Only a madman would try and outdo the original but Liles proves he is more than capable on this single.
Liles retains the same mood on his version of the piece; what sounds like another loop of Moreschi’s unnatural singing is allowed to build hypnotically into a misty, unsettling reverie. The ghostly vocals of Daniela Cascella and Melon Liles add another dimension to the piece; their whispers and utterances cutting through like telepathic communications from the other side. What sounds like the sounds of trains are accompanied by deep bass drones before that sad, familiar loop of Moreschi’s singing peaks through like a spectre behind a curtain.
This version of “Where the Long Shadows Fall” is frustratingly short at just under 10 minutes but it is perfect in its execution, rivalling the original for its weirdly entrancing beauty. Like Liles' recent remixes of Current 93's older releases, this is a fabulous re-imagining of Tibet's vision.

BLACK MAGAZIN
Eine Taxonomie von Coverversionen zu entwerfen ist schwierig, aber vielleicht könnte man folgenden Vorschlag machen: Da gibt es die gefühlt größte Gruppe der Reproduktoren, die meistens bar eigener Fähigkeiten und Originalität versuchen ein Stück Ton für Ton nachzuspielen, auf dass ein Teil des Glanzes des Originals auf das eigene Schattendasein falle. Meistens fällt aber nur der Erzeuger – und zwar aus sehr niedriger Höhe. Dann gibt es die Assimilatoren, die sich fremde Stücke einverleiben, um sie verdaut und transformiert zum Teil des eigenen Oeuvres machen. Geschieht das über Gattungs- und Genregrenzen hinweg, werden aus den Assimilatoren Destruktoren, die aber getreu dem Motto, dass aus der Asche (manchmal) ein Phönix emporsteigen wird, (im gelungenen Falle) dem Original neues Leben einhauchen.
Dass obige Kategorisierung unvollständig ist, beweist Andrew Liles, der auf dieser Ein-Track-Veröffentlichung David Tibet und Current 93 anlässlich der Jubiläumskonzerte seine Ehre erweist. Denn weder versucht er sich an einer simplen Reproduktion des Originals, noch fügt er das Stück seinem eigenen auf positive Weise heterogenen Werk hinzu oder zerstört das, was am Original stimmte und stimmig war – vielmehr erzeugt er einen zehnminütigen Track, der mit ähnlichen, aber eigenständigen und originell eingesetzten Mitteln der Stimmung des Original auf fast schon unheimliche Weise nahe kommt. War „Where The Long Shadows Fall“ – der erste Teil der „Inmost Light“-Trilogie – eine von einem Loop des wohl letzten Kastraten Alessandro Moreschi durchzogene zutiefst melancholische Klangfläche, zu der Tibet Zeilen wie „Around me: I see things coming to a close/The door is nearly shut“ rezitierte und das Stück mit dem von Jhonn Balance stammenden und gesprochenen Satz „Why can’t we all just walk away?“ ausklang (der „All The Pretty Little Horses“ dann einleiten sollte), verwendet Liles zwar ebenso einen von Klavier unterlegten Loop von Moreschi, der aber wahrscheinlich einer anderen Aufnahme entnommen worden ist. Dazu flüstern Daniela Cascella und Melon Liles den Text auf Deutsch und Italienisch. Man hört im Hintergrund seltsame Geräusche, wie vielleicht das Knarzen von Türen, dann wieder vernimmt man vereinzelte Töne, die schemenhafte und schwer atmende Gestalten verstimmten Klavieren zu entlocken scheinen. Zu dieser Vorgehensweise (und der geisterhaften Atmosphäre) passt, dass das (ver)blasse(nde) Cover ebenso wie das Original von einem (aber nicht dem gleichen oder zumindest nicht den gleichen Auschnitt zeigenden) Gemälde Louis Wains geziert wird. Bezogen auf oben versuchtes Klassifikationsschema ließe sich damit also konstatieren, dass Liles das seltene Exemplar des Somnambulators, des (Wieder-)Träumers ist.


 

 

 
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